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Lernen für das Unbekannte

Mehr als 40 Studenten der Medizinischen Hochschule Brandenburg (MHB) waren im Rahmen ihres Studiums in der Hochschulklinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Immunologisches Zentrum zum Erstkontakt mit seltenen Erkrankungen am Klinikum Dessau zu Gast. Univ.-Prof. Dr. med. Prof. honoraire Dr. h.c. Christos C. Zouboulis, Chefarzt der Klinik für Dermatologie, führte sie in das weite und unbekannte Feld der seltenen Erkrankungen und die Versorgung der betroffenen Patienten im Rahmen des „Mitteldeutschen Kompetenznetzes Seltene Erkrankungen“ (MKSE) in Sachsen-Anhalt ein.

Mehr als 5.000 der rund 30.000 bekannten Krankheiten gelten als selten. Mehrheitlich haben seltene Erkrankungen genetische Ursachen, andere sind immunologisch bedingt, viele sind lebensbedrohlich und die meisten verlaufen chronisch. Einige Erkrankungen manifestieren sich bereits im Kindesalter, während andere erst bei Erwachsenen auftreten. Rund vier Millionen Menschen in Deutschland sind betroffen, in Sachsen-Anhalt sind es viele Tausende.

Somit gab es genug Lernstoff für die MHB-Studenten. Prof. Zouboulis referierte im Konferenzraum 2 des Klinikums über die Forschungsgegenstände, die Klassifizierung der Krankheiten, den Aufbau des MKSE sowie die Finanzierung des Kompetenznetzes. Er verwies in diesem Zusammenhang auf die überaus wichtige universitäre Zusammenarbeit des Klinikums mit der MHB.

Näher an der ärztlichen Praxis war dann die Kontaktaufnahme mit den seltenen Erkrankungsformen Neurofibromatose und Sklerodermie. Nach eingehenden Informationen zu den Krankheitsbildern konnten die Studenten mit zwei Neurofibromatose-Betroffenen ins Gespräch kommen und sich ein „ungeschminktes“ Bild über die Erkrankung machen.

Weit weg von Berührungsängsten und ungemein offen sprachen die Betroffenen mit den angehenden Medizinern über die Krankheit, ihren medizinischen Leidensweg und die Auswirkungen auf ihr Leben. Der Erstkontakt brachte den MHB-Studenten die Erkenntnis ein, nicht zu früh Schlüsse zu ziehen, sich Zeit für die Patienten zu nehmen und vielleicht auch einmal über den schulmedizinischen Tellerrand zu schauen - nach der Devise „Wenn du Hufschläge hörst, denk an Zebras“.

Ziel dieser durch Prof. Zouboulis und Annette Byhahn, Leiterin der Neurofibromatose-Regionalgruppe Sachsen-Anhalt, initiierten und unterstützten praxisnahen Lehrstunde ist die Gewinnung von angehenden Ärzten und deren Sensibilisierung für seltene Krankheiten. Denn ohne ärztlichen Nachwuchs steht das bislang erreichte Niveau der Patientenversorgung in Sachsen-Anhalt auf dem Spiel.

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